Ich denke Gesundheit als einen Zustand inneren Gleichgewichts.
Entsprechend ist Krankheit sichtbarer Ausdruck eines inneren Aus-der-Balance-geraten-seins. Die körperlichen Merkmale von Krankheit sind sichtbare Hinweise darauf, wo etwas in mir aus der Balance geraten ist. Der Körper spricht in der Krankheit mit uns, wo unser Bewusstsein das Ungleichgewicht nicht wahrnehmen konnte. Es geht immer um die Rückkehr ins Gleichgewicht.
Auch wenn Essen Genuss sein soll, ist die Basis die Ernährung, also die Versorgung des Körpers mit Nahrung. (Wie nähre ich mich?) Das, was wir essen, bildet die Bausteine, aus der der Körper sich selbst aufbaut. Mein Körper ist sozusagen das, was ich esse.
(Meine Seele ist sozusagen das, womit ich sie nähre.) Bekommt der Körper alle Nährstoffe, die er braucht, und passt die Menge zu seinem Bedarf, geht es ihm gut, andernfalls lebt er im Mangel oder er wird verstopft mit Dingen, die er nicht braucht. Er gerät dann aus der Balance - und wird krank.
Bewusste Ernährung (auch seelische Nahrung) folgt den Bedürfnissen von Körper und Seele und führt zu Gesundheit. Sind mein Körper und meine Seele nicht genährt, fühle ich mich auch nicht gut. -- Zu leicht, zu schwer, verschlackt, hungernd, verstopft, vergiftet... (man kann hier sehr schön die Doppelbedeutung hören, die in jedem Wort mitschwingt und auf die seelische Ebene übertragen werden kann. Beides muss genährt werden.)
Nur in Bewegung komme ich voran, kann die Herausforderungen meines Lebens meistern.
In Bewegung aktiviere ich meine inneren Kräfte und dehne mich aus. Ich gehe auf die Welt zu, stelle mich ihr und nehme mir Raum.
Vielleicht hast du schonmal gemerkt, dass Konfliktgespräche mit dem Partner in Bewegung, beim Spazierengehen, deutlich produktiver laufen, als sie still am Tisch zu führen. Es gelingt leichter, den eigenen Stand-Punkt zu verlassen, die Position zu verändern und neue Perspektiven zu gewinnen. Man hat das Gefühl voran zu kommen. (Auch hier spricht die Sprache immer zugleich in einem Ton die körperliche und gleichzeitig die Seelische Ebene an. Man muss nur lernen zu hören.)
Um in Bewegung bleiben zu können, muss ich gut genährt sein. Mir fehlt sonst die Energie. (Auch hier kann man es wieder körperlich und seelisch gleichermaßen lesen.)
Bewegung und Erholung hingegen sind zwei Seiten eines gemeinsamen Rhythmus', der im Gleichgewicht bleiben muss.
Eine Überbetonung dieser Bewegungs-Seite führt zu Erschöpfung, Ausbrennen, Verzweiflung, Verwirrung, Auszehrung.
Physiologisch ist dies der Zustand, in dem der Körper regeneriert. Fettabbau und Muskelaufbau geschehen im Schlaf, in der Ruhe, nicht in der Bewegung. Ich kann aber nur integrieren, was ich vorher als Nahrung zu mir genommen habe, daher hängt auch das mit Ernährung zusammen. (Gleiches gilt auch für Seelisch-Geistiges. Auch das wird im Schlaf, in der Ruhe verarbeitet und verdaut.)
In der Ruhe hole ich ich mir, was ich brauche (Er-holung), baue es auf und füge es (wieder) zusammen, erzeuge es erneut (re-generare). Ansonsten brenne ich aus.
Bewegung und Erholung sind zwei Seiten eines gemeinsamen Rhythmus', der im Gleichgewicht bleiben muss.
Eine Überbetonung dieser Ruhe-Seite führt zu Lethargie, Versumpfen, Stehenbleiben, Versinken, Ermüdung.
Gelingt mir der Kontakt zur Gemeinschaft? Zu anderen Menschen? Hier finden die wesentlichen Turbulenzen des Lebens statt -- und damit auch die meisten Emotionen. Es scheint wichtig zu sein, sonst würde es uns nicht so enorm bewegen.
Ich bin natürlicherweise eingebunden in eine Gemeinschaft von anderen Menschen (auch wenn ich mich dem versuche zu entziehen). Viele seelische Bedürfnisse finden nur Erfüllung in diesem Netzwerk, nähren mich (s.o.).
Es gilt also zu lernen, Beziehung zu gestalten und zu pflegen, meinen Ort in dieser Gemeinschaft zu finden und einzunehmen. Hier finden die meisten emotionalen Verstrickungen statt (Ängste, Scham, Schuld, Trauer, Wut, aber auch Erfüllung, Freude, Heiterkeit, Genuss. Leidenschaft, Erotik, Gemeinschaft).
Gelingt es mir, eine gemeinschaftliche Wertestruktur zu leben, mich in die Normen einer Gemeinschaft einzufügen? Meine Bedürfnisse darin zu leben? Und meine Ort für Rückzug und Stille darin zu finden? Kann ich Beziehung gestalten und leben?
Auch hier ist ein natürlicher Rhythmus Ausdruck von Gesundheit, der beim einen Menschen mehr auf die eine, beim anderen mehr auf die andere Seite schlägt.
Überbetonung der Gemeinschaftsseite führt zu Abhängigkeit und dem Verlust des eigenen Weges.
Eine Überbetonung des Egos oder des Rückzugs führt Vereinsamung, Rastlosigkeit und dem Verlust von Kontaktstellen, um stabile, tragfähige Beziehung eingehen und halten zu können.
Damit ist nicht die Anhaftung an einzelne Sachen (Gegenstände, Menschen, Besitz etc.) gemeint.
Angebunden erlebe ich mich, wenn ich mich als Teil von Allem, von Welt, von Natur, vom Größeren, vom Ganzen erlebe. Eine Ahnung davon bekommen wir, wenn wir die Erhabenheit von Natur erleben und darin die alltägliche Überbetonung von Ich, von Ego aufzulösen erleben.
Als Teil von Allem ist nicht das Ego wichtig, sondern meine Beziehung zu Welt als Prinzip. Ich fühle mich von Welt, von diesem Leben angesprochen und will eine Antwort auf dieses Angesprochen-Sein geben (Verantwortung). Diese Ant-Wort wird dann als das Aufgerufen-Sein zur Ent-Sprechung erlebt. Ich trete damit bewusst in einen Dialog mit meiner Welt; als einer Welt, deren Erscheinungen nicht mehr bloß als profan erlebt werden, sondern als Träger von Bedeutungen, von Sinn.
Dieser Umgang mit Welt verlässt das sinnlose Grau und Grau einer profanen Welt, in der ich mit einer inneren Leere einfach so dahinlebe. Sondern dieser spirituelle Zugang zu Welt führt vielleicht die selben Tätigkeiten aus, öffnet sich dabei aber der Ebene der Bedeutungen, die Welt und meinem Tätigen Umgang mit Welt, und findet nun Sinn in seiner Welt.
Die Pflege dieser Anbindung an Welt finde ich in der Stille, d.h. im Losgelöst-Sein von den Wirren des Alltags. -- Um es dann in den Wirren des Alltags leben zu können. Nur erscheinen sie mir dann ganz und gar nicht mehr wirr, sondern bedeutungsvoll.
Eine Überbetonung dieses Aspekts führt jedoch missverständlich zur Welt-Flucht oder zum Welt-Verlust. Denn die Aufgabe besteht ja gerade darin, meinen Raum, meine Berufung, meinen Weg in der Welt zu finden und zu leben.